Interview mit Thomas Klischke vom 11.3.2016
Ausstrahlung der Sendung 25.5.2016 20:04 Radio Münster

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Interview mit  Katja Koesterke auf www.kasasbuchfinder.de vom 3.Juni 2015

 

Lieber Thomas, erst einmal vielen Lieben Dank, das du dir die Zeit für das Interview nimmst. Die Käpt’n Kaos Reihe ist ja dein Erstlingswerk in der Literatur, magst du uns erzählen, wie du auf die Idee gekommen bist, zu schreiben?

 

Ich schreibe seit vielen Jahren Theaterstücke für Kinder. Als in meinem Verlag ein Autor für eine neue Serie gesucht wurde, habe ich mich an der Ausschreibung beteiligt und gewonnen. Einige Ideen waren schon von einem Team skizziert (der Titel, das Raumschiff, Gräte), aber im Großen und Ganzen war ich frei, mir auszudenken, was ich will. Ich habe die Handlung für den ersten Band erfunden und zwei Kapitel geschrieben. Dann haben wir gemeinsam drei Jahre an den Figuren, den Geschichten, dem Fluch-O-Mat und mit Andreas Schuster an der Optik der Bücher gearbeitet.

 

Ich finde ja, das du ein sehr vielseitiger Autor bist. Du hast Schauspiel studiert und hast einen engen Bezug zum Theater. Inwieweit beeinflusst dies, deine Tätigkeit als Autor?

 

Eine schöne Frage. Irgendwie betrachte ich mich gar nicht richtig als Autor, denn ich überlege immer zuerst, was passieren wird, was die Figuren tun und aus welcher Motivation, wie es da aussieht und all die Dinge, die ich vom Theater her kenne. Ich denke sehr in Tempo und Aktion, weniger in Gesprächen, auch wenn ich die Dialoge in den Käpt'n Büchern sehr mag. Sie sind aber stark davon geprägt, wie ich die Figur auf der Bühne spielen würde. Ich konzentriere mich hauptsächlich auf Bewegung, Überraschungen und Kurzweiligkeit, so wie ich es in einen Theaterstück tun würde.

 

Was motiviert dich als Autor in deinen Schreibphasen?

 

Neugier. Ich will immer wissen, was passiert und wie vor allem. Ich will wissen, was aus mir beim Schreiben herauskommt. Ich schreibe zuerst Treatments, in denen ich grob zusammenfasse, wie die Handlung aussieht damit ich mich nicht verzettele und den dramaturgischen Bogen im Blick behalte. Und wenn ich dann ein Kapitel starte, bin ich sehr aufgeregt, weil ich mir vorher keine Details überlege, sondern alles im Moment passieren lasse. Das klappt immer sehr gut. Ich erfinde einfach am Schreibtisch. Schlimm sind nur die Tage, wo gar nichts kommt. Aber die sind selten.

 

Warum schreibst du für Kinder?

 

Beim Schreiben denke ich nicht explizit an Kinder, ich schreibe für alle. Genauso wie ich ein so genanntes Kinderstück immer so mache, dass auch die Eltern und Großeltern viel Spaß damit haben können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in erster Linie selbst Freude beim Lesen haben möchte. Beim zweiten Arbeitsgang kommen auch Zweifel, dass ich mich frage, was ist witzig für Kinder, was für die Erwachsenen, was ist zu kompliziert oder verwirrend... Das macht die Arbeit manchmal schwierig, weil natürlich auch jeder, der an diesem Buch mitarbeitet, andere Ansichten hat, ob ein Satz, ein Kapitel oder eine bestimmte Beschreibung Kinder überfordert oder nicht. Oft es aber auch so, dass Erwachsene mit den Kaos-Geschichten überfordert sind und Kinder gar nicht so sehr.

 

Wie wichtig ist dir der Umgang zu deinen Lesern? Möchtest du ihnen vielleicht abschließend noch etwas sagen?

 

Wenn du ein Theaterstück schreibst, wird es aufgeführt und du sitzt in der Premiere mittendrin und kannst jede Reaktion spüren und miterleben. Und nach der Vorstellung kannst du mit anderen über das Stück reden. Als der erste Band von Kaos in den Läden stand, war ich ganz verzweifelt, weil ich nicht wusste, was jetzt passiert. Wer liest das Buch, wem gefällt es, wem nicht, warum nicht – es war ganz furchtbar. Nach und nach haben immer mehr Freunde angerufen, es gab viele Rezensionen und Kinder, die mir gesagt haben, wie sie es finden. Also - jetzt kommt die Antwort - ich finde den direkten Kontakt zu den Lesern lebensnotwendig und sehr bereichernd. Ich freue mich auf meine Lesungen, die Gespräche und alle Zuschriften und Korrespondenzen im Internet.

 

© 2015 Thomas Klischke

 

Interview mit Bianca Cross auf www.bibilotta.de vom 31.Mai 2015

 

Wie kamst du auf Käpt’n Kaos? Wann bist du auf diese Idee gekommen?“

 

Ich schreibe seit vielen Jahren Theaterstücke für Kinder. Als in meinem Verlag ein Autor für eine neue Serie gesucht wurde, habe ich mich an der Ausschreibung beteiligt und gewonnen. Einige Ideen waren schon skizziert, aber im Großen und Ganzen war ich frei, mir auszudenken, was ich will. Ich habe die Handlung für den ersten Band erfunden und zwei Kapitel geschrieben. Dann haben wir gemeinsam drei Jahre an den Figuren, den Geschichten, dem Fluch-O-Mat und mit Andreas Schuster an der Optik der Bücher gearbeitet.

 

Welche der Personen ähnelt dir am meisten?

 

Moritz und der Käpt’n. Obwohl ich schon mit acht Jahren auf der Bühne stand und seitdem bestimmt 100 Rollen gespielt habe, war ich als Kind immer sehr schüchtern. Mir hat es mehr Spaß gemacht, andere Menschen anzuschauen, zuzuhören und mir eigene Gedanken zu machen als selbst im Mittelpunkt zu stehen. Und ich war sehr verträumt und genauso unsportlich wie Moritz. Später habe ich angefangen, am Theater Regie zu führen, was ich auch heute noch mache und da ist dann der Käpt’n in mir erwacht, der Mann, der eine Mannschaft durch dick und dünn bringen muss, der Abenteuer besteht (das Proben eines Theaterstücks ist das größte Abenteuer überhaupt), der auch mal flucht, aber sein Schiff immer sicher in den Hafen bringt.

 

Bist du eher der Kaotische Käpt’n?

 

Ja und nein, ich bin sehr diszipliniert, plane viel und gut, aber wenn die Arbeit beginnt oder eine Reise, dann nehme ich alles, wie es auf mich zukommt und bin neugierig, was passiert.

 

Oder doch der kleine nette Moritz, der gerne liest oder doch eher etwas von Gräte – dessen besten Freunde Disziplin, Ordnung, Fleiß, Gehorsamkeit und Pflichtbewusstsein sind?

 

Ja, ein bisschen preußische Erziehung – Ordnung, Disziplin und Fleiß – steckt auch in mir – das, denke ich, hat mit meinem Theaterleben zu tun, wo solche Eigenschaften sehr wichtig sind. Aber genauso liebe ich es, immer wieder alle Fünfe grade sein zu lassen, mein Zimmer nicht aufzuräumen und was ich heute kann besorgen, schön verschieben auf morgen.

 

Warum flucht der liebe Käpt’n Kaos so viel?

 

Ein Käpt’n hat große Verantwortung für seine Mannschaft, die Ladung und das Schiff – da staut sich viel Ärger, Angst und Wut. Das Fluchen ist eine schlaue Kunstform, all diesen Gefühlen Luft zu machen, ohne jemandem damit zu schaden. Und ehrlich, der Käpt’n ist ein alter Seebär, da gehört Fluchen zum Handwerk. Außerdem macht es Spaß und ist witzig.

 

Was ist der Anreiz für dich gewesen, die Flüche hier so stark in den Vordergrund zu bringen?

 

In so einer gewalttätigen Zeit finde ich Fluchen eine sehr zivilisierte und lustige Form mit schwierigen Momenten im Leben umzugehen. Humor überhaupt. Die Figuren der RITA investieren lieber in coole Sprüche und witzige Formulierungen als zuzuhauen. Und ich finde, Gehirnschmalz statt Faust – das ist irgendwie klug und auch viel gesünder. Ich mag Menschen mit Grips.

 

Was ist dein persönlicher Lieblingsfluch?

 

Puh, es gibt fast tausend Fluch-Kombinationen, na ja, ich mochte schon ein paar besonders, aber ich weiß nicht, ob sie Kinder tauglich sind: fummelnder Froschschenkelspreizer, ranziger Kombüsenmuff, Papierbootschubser, Körperklaus, Krawattenhorst… Oh je, ich höre lieber auf.

 

Und was ist dein Lieblingsalien ?

 

Die Olfikatos aus Band 1

 

Du hast ja hier beim Tiefseeplanet auch so einige interessante Kreaturen erschaffen. Wie kamst du auf all diese Flüche überhaupt?

 

Es gibt verschiedene Flüche: situative, die sich aus dem Augenblick ergeben (blinde Blecheimer – Käpt’n zu den Putlern), zusammengesetzte aus ekligen Objekten und Adjektiven (schimmliger Toilettenkäse) und welche, die ich aus bekannten Begriffen abgewandelt habe (Saftschubse – Papierbootschubser).

 

Wie muss man sich das vorstellen, so eine Ansammlung zusammenzubringen?

 

Suchen, ausdenken, abwandeln, klauen, Freunde fragen! Klauen!

 

Dass du eine sehr rege Fantasie hast, wurde in diesem Buch bewiesen, denn wie sonst kamst du auf so tolle Sprachen wie Ozeanisch? Kannst du uns folgendes kurz mal spontan nochmals übersetzen: "GLUGGLUGGBLUBSCHWUPPSCHWAPP"?

 

Das ist ganz leicht: „Wo bitte geht’ s hier zum nächsten Klo?“

 

Wie muss man sich das vorstellen bei dir, wenn du an einem Käpt’n Kaos Abenteuer schreibst. Hast du da Listen, was du so alles mit einbauen möchtest (mit Fantasiesprachen, Fantasiegestalten, Abkürzungen, die erst noch erfunden werden müssen) oder wie bekommst du so ein Kaos in deine Geschichten, die am Ende zu einem Ganzen führen?

 

Diese Frage zu beantworten, würde jetzt mehrere Seiten füllen, aber ich gebe ein paar Beispiele: Ich habe einen Artikel über einen Samen-Bunker in Norwegen gelesen, wo über 5 Milliarden Samen verschiedener Pflanzen für die Zukunft gerettet und gesichert werden. Und das fand ich ein spannendes Thema – Essen, Samen, Pflanzen in der Zukunft. So fing das an. Der zweite Gedanke war, dass ich nach zwei Teilen dachte: Jetzt muss so eine Serie mit einem Segelschiff endlich auch mal auf See spielen und Themen wie Wasser, Tauchen, Angeln usw. beinhalten. Und so war klar: der Käpt’n muss auf einem Wasserplaneten mit einer geheimnisvollen Eisstadt landen. Ich habe dann fast 100 Stunden Dokus über Tauchstationen, U-Boote oder die Titanic geschaut. Und das war so eine spannende Entdeckungsreise für mich, dass ich den Kindern so viel wie möglich davon erzählen wollte. Deshalb hat Band III auch 15 Seiten mehr.

 

Die Themenauswahl der Käpt’n Kaos Abenteuer – sind das Kindheitsfantasien?

 

Nein! Mir geht es immer wieder darum, von Freundschaft, Mut zum Entdecken, Glaube an die eigene Kreativität oder zum Fehlermachendürfen zu erzählen – um all das geht es in den drei Büchern. Von Schokoplaneten, Urlaubsplaneten oder Wasserplaneten habe ich als Kind nicht wirklich geträumt.

 

Themen, mit denen du dich als Kind gerne auch beschäftigt hast?

 

Witziger Weise habe ich als Kind tatsächlich gern Abenteuer-Comics gelesen. „Die Digedags“ aus der DDR, „Asterix & Obelix“ und natürlich „Tim und Struppi“. Und natürlich Kinderbücher – insofern, ja, ich hatte immer viel Spaß über fremde Kulturen zu lesen und Abenteuer- und Freundschaftsgeschichten zu verschlingen.

 

Immerhin bekommt man ja beim Tiefseeplanet so einige Erklärungen und Fachbegriffe der seemännischen Art. In den anderen Büchern ist das Monsterparadies ein Thema und dann noch die Schoko-Aliens. Wie kamst du da drauf ?

 

Ich arbeite seit vielen Jahren am Theater, in Schulen oder anderen Kindereinrichtungen – ich hatte immer das Gefühl, dass überall Kinder unterschätzt oder für dumm gehalten werden. Immer heißt es: Das verstehen Kinder nicht! Das ist zu kompliziert! Die sind zu dumm. Und ich habe mich oft geärgert darüber. Und beim Käpt’n dachte ich, okay, wenn jemand ein englisches Wort oder einen technischen Begriff nicht kennt, dann erklärt Moritz einfach, was es bedeutet. Und schon hat jeder Leser was gelernt. Die besten Bücher sind doch die, wo ich etwas neues erfahren kann.

 

Dürfen wir von Käpt’n Kaos noch mehr erwarten?

 

Leider ist heutzutage sehr wichtig, wie oft sich ein Buch verkauft. Die Entwicklung einer Serie kostet viel Geld und wenn das nicht wieder hereinkommt, gibt es keinen vierten Band. Seufz. Was mich angeht, weiß ich schon, wo der vierte Band spielt und was darin passiert. Also, wenn genug Bücher über den Ladentisch gegangen sind, geht es sofort los.

 

© 2015 Thomas Klischke